Die 10 meisten Irrtümer im Umgang mit Menschen mit Demenz

Demenziell erkrankte Menschen bilden in Deutschland die größte Gruppe von

Pflegebedürftigen.

Das Engagement  der betreuenden Angehörigen und Betreuer ist unglaublich hoch, ja sogar

bis zur körperlichen und psychischen Erschöpfung.

 

Wir leben in einer defizitorientierten Gesellschaft. Besser gesagt, wir lernen schon als Kinder mehr auf Fehler zu achten, als auf das Richtige. Zum Beispiel stehen in der Schule unter einer Arbeit die Fehlerpunkte, lernen wir, das ist falsch.

Wir lernen unser Leben lang uns auf das Negative zu konzentrieren.

Menschen mit Demenz haben Fähigkeiten, Sie tragen Ihre tiefen, persönliche Erfahrungen

und Erlebnisse in sich. Diese prägen Ihre eigene Lebensbiografie.

Sie haben lebenslang gelernt mit Ihren erworbenen Fähigkeiten auch alt zu werden.

 

Um auch im Alter und auch in dementiellen Lebensphasen eine würdevolles Leben erfahren zu können, ist die Unterstützung und Förderung der Fähigkeiten das wahre

“SICH SELBST” im eigenen Können spüren und erleben.

 

Als langjähriger Demenz und Pflegeexperte werde ich mit Ihnen meine Erfahrungen aus der Praxis hier teilen und anregen, woher und warum, diese Annahmen im Umgang mit dementiellen erkrankten Menschen kommen können.

Wir haben die Chance diese Annahmen jetzt in unserem Bewusstsein neu zu denken.

 

1 Irrtum:

Dementiell erkrankte Menschen benötigen eine feste Tagesstruktur

 

Der Glauben, dass der Mensch mit Demenz nur durch einen starren Tagesablauf

sich sicher fühlen kann, berücksichtigt keine individuellen Schwankungen, keine Launen, keine plötzlich auftretende Bedürfnisse oder anderen Wünsche, die den Einzelnen wirklich

prägen und ausmachen.

Eine kontrollierter Tagesablauf birgt eben wenig Risiken, so ist die verbreitete Meinung.

 

Konsequenz:

Das wirkliche Leben ist anders!

Überprüfen wir unsere Haltung und überprüfen wir unsere Annahmen, dann kommen wir

in die Kompetenz und entfernen uns vom Defizit.

 

2.Irrtum:

Menschen mit Demenz, können keine eigenen Entscheidungen mehr treffen

 

Hinter dieser Annahme, dass Menschen mit Demenz keine eigenen Entscheidungen mehr

treffen können, steht in Wirklichkeit die Meinung, dass Demente eben nicht dies machen, was wir von Ihnen erwarten.

Es herrscht die Annahme, dass es für Entscheidungen ein gänzlich funktionierendes Gehirn

benötigt wird.

Was ist mit den emotionalen Entscheidungen?

Ich habe zig tausend mal beobachtet, dass dementielle Menschen beim essen einfach aufstehen, laufen auf dem Gang hin und her, sprechen fremde Menschen an,nehmen Sachen an sich die Ihnen nicht gehören, ziehen sich 10 mal am Tag andere Kleidung an und laufen am Tag und in der Nacht, dahin ,wo Sie wollen.

 

Konsequenz:

Wenn wir verstehen und zulassen, dass diese Menschen trotz Ihrer Demenzerkrankung,soziale Wesen sind die Ihre Bedürfnisse leben wollen.

Ob diese Bedürfnisse sinnig oder unsinnig sind, ob sie gerade zur Situation passen oder nicht liegt in der Freiheit der Entscheidung des Menschen.

(Es sei denn, es liegt eine Selbstgefährdung vor)

 

  1. Irrtum:

 

Alle Menschen mit Demenz sind krank und müssen deshalb ständig betreut werden

 

Das “Überversorgtwerden” ist eine Annahme, die besonders bei demenziell erkrankten Menschen zu Hause und in Pflegeeinrichtungen zu beobachten ist.

Ich habe oft erlebt, dass diese Menschen, wenn Sie Besuch bekommen haben, keine Ihrer Fähigkeiten einbringen konnten (zum Beispiel: alleine etwas trinken) und wenn der Besuch weg war, konnten Sie fast alles alleine bewerkstelligen. Sicherlich in Ihrer Zeit und in Ihrem

Rhythmus.

Alles in guter Absicht abgenommen zu bekommen, sich um nichts mehr Gedanken machen zu müssen, führt meist dazu, dass der Lebenssinn und damit das Leben an sich, vorbei geht.

 

Konsequenz:

 

Hilfe zur Selbsthilfe ist das Stichwort und durchbricht die Annahme der ständigen Betreuung.

Menschen mit Demenz brauchen das Gefühl etwas zu können, etwas zu leisten.

Auch wenn es für unsere Augen komisch aussieht, gekleckert wird oder mal etwas daneben geht.

 

4.Irrtum:

 

Auffallende Verhaltensweisen von Menschen mit Demenz, sind anderen Menschen nicht zuzumuten

 

Ich habe ofte erlebt, dass dementiell erkrankte Menschen bei Auffälligkeiten wie klopfen, lautes vor sich hin sprechen, schreien oder bei wiederholenden Bewegungen,  einzeln platziert werden.

Viele betreuende Angehörige gehen mit Ihren Familienmitgliedern nicht mehr in die Gesellschaft oder lassen keinen Besuch zu Hause zu.Eben genau wegen diesen Auffälligkeiten.

Das ist verständlich und bestätigt die Annahme, unterstützt jedoch komplett die soziale Isolation des Menschen und auch der Angehörigen.

 

Konsequenz:

Verstehen lernen, dass hinter jeder Auffälligkeit ein Bedürfnis steckt.

Langweile, sich gestört fühlen, unbekannte Umgebung,den Anweisungen folgen zu müssen oder diese gar nicht zu verstehen, können alles Gründe sein.

 

5.Irrtum:

Menschen mit Demenz brauchen einen Schnabelbecher zum trinken

 

Schnabelbecher haben in allen Institutionen mittlerweile Einzug gehalten und wenn dementiell erkrankter Menschen, Schwierigkeiten beim trinken haben, bekommen Sie einen Schnabelbecher.

Der dementiell, erkrankte Mensch kennt keinen Schnabelbecher in seine Biografie.

Meist sind in bunten Bechern das Getränk auch nicht genau zu erkennen.

Schnabelbecher sind nachweislich auch “Verschluckhilfen” weil der Kopf beim trinken sehr weit rückwärts gestreckt werden muss um schlucken zu können.

Die Gefahr, dass die Flüssigkeit in die Lunge läuft ist relativ gross.

 

Konsequenz:

Jeder Mensch mit Demenz braucht ein Umfeld was er lebenslang kennt. Dazu gehören Tassen für warme Getränke und Gläser für kalte Getränke.

Es werden weniger Schluckprobleme produziert und Gewohnheiten unterstützt.

Ein würdevoller Umgang mit Menschen im Alter wird dadurch ermöglicht.

 

 




Beispielbeitrag




Video – Interview, wie finde ich als Angehöriger die beste Pflegeeinrichtung für mein dementiell erkranktes Familienmitglied

von 26. März 2020




Demenzexperte – Online-Beratung für pflegende Angehörige

Ab heute….